Mittwoch, 13. November 2019
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Tempelhofer Freiheit ohne Kassenhäuschen

Luftaufnahme des Tempelhofer Feldes

/// Kommentar /// – Die Debatte um die Bebauung der Tempelhofer Freiheit geht wieder los. Angestoßen von einer beauftragten Umfrage das Instituts Infratest-Dimap. Diese wurde in bauinteressierten Kreisen sofort aufgegriffen. Bebauungsbefürworter ergriffen wie auf Bestellung das Wort. Im Abgeordnetenhaus meldete sich u.a. der Spandauer Stadtrandbewohner Raed Saleh (SPD) in Sachen Innenstadt zu Wort.

Auf die Idee ist man auch noch nicht gekommen: eine Bebauung des Tempelhofer Feldes könnte mehr Schaden als Nutzen für die im Einzugsbereich liegenden Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Kreuzberg und Neukölln bringen. Alle drei Bezirke haben Grünflächen-Defizite, die bisher durch das Tempelhofer Feld ausgeglichen werden.

Vor allem sind die großen Volksparteien vom großen Thema des „integrierten Städtebaus“ abgekommen, der einst die Berliner Mischung aus Anziehungskraft und mittelständisch und industriell geprägter Leistungskraft begründet haben.

Berlin ist heute Hauptstadt der sitzenden Arbeit! Büros, Wohnen, Bewegungsmangel: die größten Gesundheitsrisiken für Jung & Alt, für arm und reich, für Geringverdiener und Regierungsmitarbeiter begründen sich durch ein zu wenig an Licht, Luft, Bewegung und Sonne.

Was Bauspekulanten egal ist, muss bei Stadtbürgern, Politikern und Wohnungsbauinvestoren längst Bedenken auslösen: „die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Sicherheit der Wohn- und Arbeitsbevölkerung, …“ müssen in allen Bebauungsplänen verwirklicht werden. Hinzu kommen CO2-Neutralität, Klimaanpassung und Hitzeschutz und ein ausgeglichener Natur- und Wasserhaushalt.

Mit der Mobilitätswende wird der Bedarf nach Freiräumen, Bewgungsräumen und nach Ruheräumen in der Innenstadt noch weiter steigen.

Die Tempelhofer Freiheit wird allein schon aus Gründen der Gesundheitsvorsorge als Bewegungsraum benötigt.

Das Flughafengebäude, die befestigten Rollbahnen und das Feld sind zudem ein multifunktional nutzbares Ensemble, ein Experimentier- und Veranstaltungsraum.

Vor allem aber ist das Gesamt-Ensemble Innovations- und Übungsraum für Bewegungssport, Sportgeräte und e-Mobile. Die VeloBerlin hatte einen Besucherrekord, viele Firmen bauen heute sogar Fahrräder, eBikes und Lastenräder in Berlin. Es ist eine Basis einer industriellen Fertigung und auch Innovations-Labor.

Große Festivals, Zirkus, Kinderzirkus, Experimentierstätten, ein Japanisches Riesenfeuerwerk …. alles machbar auf dem Tempelhofer Feld.

Wer das Tempelhofer Feld bebauen will, muss auch sagen, wo sonst im Süden von Berlin Bewegung, Fahrsport und Freiraumerlebnis in gleicher Weise wie auf der Tempelhofer Freiheit realisierbar sind.

Wer das Tempelhofer Feld bebauen will, nimmt auch in Kauf, dass große und kleine Stadtbürger jeweils 4 Stunden mehr je Ausflug in Bussen und Bahnen verbringen müssen, wenn sie einen unverbauten Sonnenuntergang erst am Stadtrand erleben können. Viele Familien haben aber nicht das Geld für mehrere teure Ausflüge im Monat. Vor allem die Geringverdiener, die heute schon unter hohen Mieten ächzen und dazu mit KIndern ein Freiraumerlebnis suchen, werden die „Tempelhofer Freiheit ohne Kassenhäuschen“ verteidigen.

Wer das Temoelhofer Feld bebauen will, nimmt vor allem Familien und den jungen sportbewußten Zielgruppen ihre „Tempelhofer Freiheit“.

Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt
Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt auf der Tempelhofeer Freiheit – Foto: tsz

Die Berliner SPD wird sich an dem Thema totarbeiten! Der Spandauer Raed Saleh hat offenbar überhaupt nicht die Kompetenz, um das auch noch zu erkennen!

Fehlende Kompetenzen im „zukunftsweisenden integrierten Städebau“ sind das eigentliche Problem in Berlin.

Es fängt mit einem falsch konzipierten Straßenreinigunggesetz an, das die Gesamtfläche der Liegenschaft des Flughafen Tempelhof bemißt, obwohl eine „Innenreinigung“ separat organisiert ist.

Es geht mit der Unfähigkeit einher, mehr als nur Wohnblöcke zu planen. Hinzu tritt die Unfähigkeit, Städtebau nach integrierten Anforderungen zu gestalten. Weitere Verschuldun der Stadt, überteuertes Bauen und unzureichende Stadtrenditen für das Allgemeinwohl sind Folgen von „komplexen Politikversagen“.

Der Regierende Bürgermeister richtet lieber einen Social-Media-Newsroom ein, statt eine leistungsfähigen „SmartCity-Stadtplanungs-Leitstelle“ mit zentraler Vergabestelle, die auch freie Architekten und integrierte Stadtplaner beauftragen und führen kann.

Das Thema Tempelhofer Freiheit entscheidet über die Zukunft, Chancen und Lebensqualität in drei Berliner Bezirken.

Der Fokus muss erweitert werden: Tempelhof-Schöneberg, Kreuzberg und Neukölln bilden zwischen Dresdener Bahn (Gleisdreick bis Südkreuz), Gneisenaustraße, Herrmannstraße und Oberland-Straße-Alt-Tempelhof-Schöneberger-Straße den ersten CO2-neutralen „SmartCity-Superblock“ in Berlin (2030-2050).

Allein durch Wegfall von Autoabstellplätzen, toten Gewerbeflächen und Verkehrsflächenüberbauung hat man etwa gleich große Bauflächen, wie das innere Feld der Tempelhofer Freiheit. Vor allem hat man gewaltige Potentiale, eine attraktive und humane Zukunftsstadt zu bauen, mit der Tempelhofer Freiheit als zentralen, multifunktionalen Freiraum.

Und mit allen modernen Anforderungen an „gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Sicherheit der Wohn- und Arbeitsbevölkerung“, so wie es das gut alte Baugesetzbuch vorsieht.

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