Donnerstag, 23. Mai 2024
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„Du bist kein Opfer!“ — „Denn Du bist immer in einem Team!“

Compassion - Mitgefühl

Gewalt und Depression im Alltag an Schulen sind leider weit verbreitet. Vor allem Einzelkinder, Außenseiter und körperlich schwächere Kinder sind gefährdet. Aus nichtigen Anlässen und Streiten heraus können auch alle Kinder zum Ziel von Mobbing und körperlicher und psychischer Gewalt werden. Das Thema geht also alle an. — Schätzungsweise zehn Prozent aller Schülerinnen und Schüler erleiden Mobbing in der einen oder anderen Form, und werden längere Zeit drangsaliert, beleidigt, gedemütigt, ausgegrenzt. Die Folgen für das Lebensgefühl und die Psyche sind oft lebenslang.

Mobbing & Gewalt — ein scheinbar unvermeidbares Phänomen?

Am häufigsten treten Formen körperlicher und psychischer Gewalt in der fünften bis zehnten Klasse auf. Doch leider häufen sich in Berlin auch Vorfälle an Grundschulen, die in interkulturellen Zusammenhängen stehen.
Leider hat die Corona-Pandemie mit den Lockdowns auch viele psychische Folgen gezeitigt, die Kinder belasten. — Ängste, Kontrollverlust, und die auch unvermittelte Wut und Gewalt in Gruppendynamiken können ausbrechen. — Oft finden die Angriffe im Verborgenen, ohne Zeugen und Freunde statt. Für die Opfer ist das fatal, weil sie sich in Einsamkeit und Isolation begeben, und so immer angreifbarer werden.

Mehr und mehr werden Smartphones genutzt, um Opfer psychisch zu attackieren. — Mit peinlichen und diskriminierenden Fotos, mit Memes, Kurzvideos, SMS und Chats werden Verleumdung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung in Gang gesetzt. Betroffene Kinder sind dabei als Empfänger dieser Botschaften ohne Hilfe von Außen fast hilflos. Mitunter entstehen auch Schuldgefühle. Aus der Frage „warum ich“ wird eine Belastung für das eigene Selbstwertgefühl abgeleitet. Scham lässt Opfer dann auch verstummen und sogar in Depressionen und Angststörungen fallen. Es drohen damit ernsthafte psychische Schäden.

Mobbing wirkt bis in Familien und Elternhäuser hinein

Direkte körperliche Gewalt ist leider auch verbreitet. Es gibt dokumentierte Fälle von Gewalt durch verhaltensgestörte und aggressive Kinder, die selbst traumatisiert wurden, und sich gegenüber anderen Kindern übergriffig verhalten. Vom „Schwitzkasten bis hin zum Würgen ist es nicht weit. Schlagen, schubsen und stoßen wird in einem aggressiven Schulklima leicht alltäglich.

Während klassisches Mobbing körperlich in der Schule oder auf dem Nachhauseweg stattfindet, sind Betroffene von Cybermobbing nicht einmal daheim vor Angriffen und Übergriffen sicher.

Lehrkräfte, Sozialarbeiter können dabei oft keine wirksamen Grenzen setzen, weil sie nicht omnipräsent sind. Die meisten Taten bleiben auch vor den Augen der Pädagogen verborgen. Erst die Folgen und die Reaktionen der gemobbten Opfer machen die Tatumstände verspätet sichtbar. — Dann aber wirken die Folgen auf alle Kinder im Klassenverband und in den Familien und beim Lehrpersonal zurück. Die Folgen sind oft gravierend, weil auch Eltern Ängste um ihre Kinder haben und gemeinsam mit ihren Kindern in Mitleidenschaft gezogen werden. Es geht bis zum krankheitsbedingen Jobverlust und Schulwechsel.

Interkulturelle Kommunikation und Teambuilding in Schulen

Einige betroffene Eltern in Friedrichshain-Kreuzberg haben nach monatelanger Leidenszeit ihrer Kinder reagiert, und auf unzureichende Strukturen und Handlungsmuster von Schulen und Sozialarbeit reagiert.

Der systemische und methodische Blick wird nun über die Schule hinaus geweitet: in interkulturellen Zusammenhängen müssen auch Eltern, gewählte Elternvertreter, Schulleitungen und Lehrkräfte und klassenübergreifende Zusammenhänge in ihrem Zusammenwirken betrachtet werden.

Anforderungen an Schulorganisation, interkulturelle Kommunikation und Teambuilding in Schulen werden entwickelt, die sich zu einem wirksamen strategischen Ansatz zusammenfügen:

  • Schulqualität und Schulcontrolling durch Eltern und externe Institutionen.
  • Rechte, Pflichten und Organisation um Schulqualität zu gestalten.
  • Aktivitäten von Schulfördervereinen, Eltern und Nachbarschaften.
  • Kommunikations- und Meldewege und Vertrauenspersonen.
  • Interventions-Pyramide zum Einzelfall mit Einbeziehung von Täter & Umfeld.
  • Digitale Hilfestellungen für Kinder. Humor- und Entschärfungs-Kommunikation.
  • Lernförderung und Erziehungsziele anpassen.

„Du bist kein Opfer!“ — „Denn Du bist immer in einem Team!“

Um zum proaktiven Handeln gegen Gewalt, psychische Gewalt und Mobbing zu kommen, werden die betroffenen Kinder gestärkt und ein Angebot geschaffen, das wie ein Notschalter und eine Verbindung zum „richtigen Team“ funktioniert:

„Du bist kein Opfer!“ — „Denn Du bist immer in einem Team!“

Die Einzelheiten des Angebotes nutzen persönliche Kommunikationspfade, die sorgfältig geplant und auf dem Smartphone und im Adressbuch eines Kindes verzeichnet sind. Betroffene Kinder können dabei selbst aktiv werden, und sich vertrauensvoll an „ihr passendes Team“ wenden. — Auch eine persönliche Notfallnummer kann dazu eingerichtet werden, die eine Ortung und Intervention möglich macht.

Die „Interventionspyramide“ schafft ein Angebot für Eltern. Es wird durch Coaching vermittelt. Dazu gibt es Tools und Memes, mit denen in vorhersehbaren Situationen auf „böse Mails und SMS“ reagiert werden kann. Die Interventionspyramide bezieht jeweils konflikttypisch die notwendigen Personen ein, immer möglichst direkt, lösungs- und konfliktlösungsorientiert. Priorität hat die Stärkung der Schulorganisation und die Verbesserung ihrer Möglichkeiten zur Gewaltprävention. Aber auch Eltern werden dabei außerhalb der Schule aktiv.
Sind dagegen Schulqualität und Schulorganisation mangelhaft, wird ganz gezielt öffentlich und notfalls auch rechtlich interveniert und der Jugendschutz aktiviert.

Das kleinste Team besteht aus Kind, Vertrauenslehrkraft und Elternteil. Das erfolgreichste Team besteht aus Opfer und Gegenspieler, ergänzt um ihre Elternteile. Klärende Gespräche und gegenseitiges Verstehen und Konfliktlösung sind dann in kurzer Reichweite.
Um die Schulorganisation einzubeziehen, sind „taffe Elternvertreter“ gefordet, engagierte Pädagogen und Sozialarbeiter. Das größte Team entsteht im Kiez, wenn sich ein Kind hilfesuchend an die Presse wendet, und um Hilfe bittet! — In jedem Fall gibt es für jeden Einzelfall ein passendes Team!

Weitere Informationen und Kontakt

info@friedrichshain-kreuzberg-zeitung.de

Die Arbeitsgruppe Schulqualität, Interkultur und Toleranz tagt in wechselnden Locations und Restaurants.


Datenschutz und Vertraulichkeit: Der Kontakt kann vertrauensvoll unter dem starken Schutz des Presserechts aufgebaut werden. Fallbezogene Hilfestellungen und Experten-Kontakte können auch als stille und vertrauliche Unterstützung organisiert werden. Die informelle Regie liegt immer bei Eltern und ihrem Kind.